Für mich ist Theater ein öffentlicher Raum, in dem Fragen und Probleme der Gesellschaft gespiegelt werden. Es ist der Ort für eine Welt, wie sie sein sollte, wie sie sein könnte oder eben niemals werden soll. Theater führt vor Augen, was der Alltag verdeckt oder verschleiert.

Als Regisseurin, Kostümbildnerin und Figurenbauerin suche ich nach starken ästhetisch theatralen Übersetzungen von gesellschaftsrelevanten Themen.

Soziale Verwahrlosung, Frauenschicksale oder Kindesmissbrauch sind Inhalte, die mich aufrütteln und vorantreiben. Dafür suche ich Bilder für Unaussprechliches. Dies geschieht durch eine formale Überzeichnung. Sei es durch gesetzte Spielweisen, Dialekt, groteske Charaktere, Kostüme oder Maske. Der Dreiklang aus Regie-Kostüm-Figuren ermöglicht mir die formale und inhaltliche Verdichtung meiner künstlerischen Vorstellung: Ein Spiel auf der Grenze zwischen Realität, Fiktion und Absurdität des Menschseins.

Die Inspiration für meine Darstellungen entstehen durch ständige Beobachtungen des Alltags - Situationen, sogar so skurril und zugespitzt, dass sie auf einer Theaterbühne ausgedacht und nicht authentisch wirken würden.In meinen Skizzenbüchern bringe  ich dann diese Anregungen auf Papier: In Zeichnungen und Malereien, mit Zeitungsartikeln, Postkarten und Materialfunden. Im Rückblick zeigen mir meine Skizzen das geformte Abbild meiner Umwelt.
Im Probenprozess im Theater wird  aus den vielen Ideen und Anregungen ein Destillat entwickelt, eine neue in sich geschlossene Bildwelt. Auf der Bühne wird die Ästhetik lebendig. Wichtig ist mir dabei, dass die Zuschauer nicht zu einer Antwort geführt werden, sondern, dass Fragen entstehen für eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen.